Dienstag, 7. Januar 2025


Von Wäldern und Worten 

Es gibt unendlich viele Geschichten auf der Welt. Wie ein großer Wald aus Worten. Aber es gibt diese eine Geschichte, die nur dieser eine Mensch erzählen kann.

Und hätte jeder die Gelegenheit, diese eine Geschichte zu erzählen, hätten wir 8 Milliarden unterschiedliche Geschichten. 8 Milliarden Perspektiven.

Jede Geschichte bringt uns einen Schritt voran, macht uns stärker, denn wir verstehen durch die Augen eines jeden Menschen die Welt ein Stück besser; verstehen, was uns verbindet und können Unterschiede wertschätzen. Wie bei einem gesunden Wald wimmelt es und befruchtet sich alles gegenseitig, auch wenn manchmal Leben zu ende geht oder verdrängt wird. Alles bleibt im Gleichgewicht. Wir lernen und leben von all dem.

Es gibt aber auch Geschichten, die sind wie Monokulturen im Wald. Viele Menschen fanden, dass sie gut funktioniert haben. Und da sich mit solchen Geschichten gutes Geld verdienen lässt, werden sie reproduziert. Immer und immer wieder. Natürlich, die „Heldenreise“ steckt in den meisten Geschichten und so gibt es immer ähnliche Strukturen. Aber das ist nicht gemeint.

Gut funktionierende Geschichten werden mit kleinen Änderungen, aber im Großen und Ganzen gleich, erzählt. Immer und immer wieder. Sie machen ja schließlich auch Spaß.

Aber verlieren wir über diese Omipräsenz nicht die Fähigkeit und den Mut, unsere eigenen Geschichten zu erzählen? Graben diese ewig gleichen Geschichten uns nicht das Wasser ab? 

Und was passiert dann? In einer Monokultur im Wald braucht es nur einen Funken oder einen Borkenkäfer und es bedeutet das Ende für alle.

Bei den Geschichten braucht es eine Erzählung, die alle anderen ausgrenzt, und immer wieder erzählt wird, bis zu viele Menschen es glauben: zum Beispiel die vom "bösen Ausländer“, der uns alle kaputt machen will. Oder vom unermesslichen Reichtum, den wir alle erlangen sollen, aber in Wahrheit niemand ereichen kann.

Eine Geschichte kann die Welt verändern. Im Guten wie im Schlechten.

Selbst eine Geschichte erzählen zu können, kann befreiend sein. Die Geschichte eines völlig Unbekannten zu hören, kann erhellend sein.

Warum ich das alles hier erzähle?

Weil sich in diesem Jahr abzeichnet, dass meine Arbeit sich mehr in Richtung „Erzählen können“ verlagert. Schon immer war es mir wichtig, den Menschen, mit denen ich arbeite, eine Stimme zu geben; ihnen zu zeigen, wie sie ihre Geschichten auf die Bühne bringen.

Nun erweitert sich das Spektrum: es geht um das Erzählen mit allen Mitteln.

Es geht auch um das Zuhören, dass unsere Gesellschaft zunehmend zu verlieren scheint.

Eine Erzählung ist nichts ohne Zuhörerinnen und Zuhörer.

Dieses Jahr beginne ich, einen neuen Wald zu pflanzen. Einen aus ganz vielen verschiedenen Leben. Es wird dauern, bis sich ein Ergebnis zeigt. Anders als bei den Bühnenstücken, die ich auch noch machen werde, werden sie nicht so leicht abbildbar sein.

Macht nichts. Auch Samen sind klein und werden erst unter der Erde aktiv. Bis wir sie sehen können, ist schon ganz viel Wichtiges passiert. Darauf baue ich.

Also, ein buntes, beseeltes neue Jahr Euch allen.

Donnerstag, 14. März 2024

LANGE WAR ES STILL HIER...

Die Projekte habe ich zwar immer aktualisiert, aber um zu schreiben, fehlte mir oft einfach die Ruhe. Denn es ist viel geschehen: seit zwei Wochen bin ich nicht mehr in der Musik- und Kunstschule, Velbert. 

Ich habe meine erste Kurse am Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater aufgenommen. Ich arbeite im Umweltbildungszentrum Heiligenhaus in einem wunderbaren Experiment für Mädchen, die durch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie ganz still geworden sind.

Ich habe meine Arbeit im Bereich Inklusion ausweiten können. 

Dazwischen wie schon lange: Projekte, Projekte, Projekte... mit Menschen. Ob künstlerisch professionell oder leidenschaftlich amateurich (das eigentliche Wort wird mir zu oft als Verunglimpfung benutzt)... ich bin dabei... 

und ganz aktuell bin ich dabei zu überlegen, was ich mit Kultur sonst noch erreichen kann. Ich möchte die Kunst nicht benutzen. Kunst ist und bleibt zweckfrei, aber sinnvoll. Und diesen Sinn kann ich noch viel weiter denken. 

Menschen in Verbindung bringen... mit sich, mit anderen, mit unserer Natur... 

Das ist natürlich ein bisschen seltsam. Denn wir sind das ja alles schon automatisch. Und doch haben wir uns ein bisschen verloren. Teilweise hier in den Untiefen des Internets, die in den sozialen Medien geradezu zu Abgründen geworden sind. Teilweise auch im realen Leben. Menschen werden übersehen und wenn sie gesehen werden, geht oft das große Bewerten los. Und beim Blick in den Spiegel sowieso... Und unsere Natur? Die ist ja nun eine ganz andere... Oder? Ich finde es bezeichnend in unserer Sprache, dass wir, wenn wir sagen "Das ist unsere Natur" nicht die Natur "draußen" meinen, sondern unser Wesen als Mensch. Wenn wir die Natur meinen, sagen wir oft: "ich gehe in die Natur". Als ob die Natur etwas anderes wäre. Etwas, das von uns abgekoppelt ist. Ist sie aber nicht. Nicht nur wetterfühlige Menschen können das sicher bestätigen. 

Also, wie kommen wir wieder in Kontakt? 

Ich arbeite dran. Still und leise... und manchen Stellen vielleicht auch mal lauter... aber immer weiter...

Montag, 11. Januar 2021

 WAS GING! WAS WIRD GEHEN!

Lange, lange bin ich nicht mit meinen Gedanken nach außen gegangen! Dieser Satz passt für den Blog, aber ebenso sehr auch für das wirkliche Leben, das einem ja immer noch unwirklich erscheint im lange Schatten der Pandemie. Normalerweise teile ich hier wenigstens einen Jahresrückblick mit tollen Fotos von tollen Projekten. Und so versuche ich jetzt, ein Stück Normalität.

"Engels vs. Primark" Foto: Ralf Silberkuhl
2020 gab es zwar viel Tolles, aber wenig Bildmaterial, weil vieles im Kleinen stattfinden musste und vieles virtuell war. Und ich möchte nicht einen Screenshot von Online-Proben teilen. Aber wenn ich genau hinschaue, hat es eine Menge Schönes, Berrührendes, Spannendes gegeben.

Wir hatten unsere Fassung vom "Gespenst von Canterville" gerade fertig, als der Lockdown kam und konnten immerhin eine offene Probe gestalten, in der Familien sehen konnten, was das Ensemble MiniArt geschafft hatte. 

Im Engels-Jahr konnten wir unser Stück "vom billigen Stoff - Engels vs. Primark" vor echten Menschen zeigen, wenn auch unter erschwerten Bedingungen mit Masken und Visieren und einer Theaterpädagogin, die einspringen musste, weil jemand als Kontaktperson in Quarantäne musste. Meine Rückkehr auf die Bühne hatte ich mir etwas anders vorgestellt. 

"Engels vs. Primark" Foto: Ralf Silberkuhl
Aber es ist ein großartiges und bewegendes Stück geworden, das das junge börsenensemble mit mir und der fabelhaften Sabine Kreiter (Bühne/Kostüme) da entwickelt hat. 

Hier finden Sie eine Rezension einer Zuschauerin 

 

 

 

"Magical Myterie Tour" Foto: Almuth-Schildmann-Brack
Im Sommer durften wir mit Drama Hilinci die Heiligenhauser*innen überraschen mit der "Magical Mysterie Tour". Auf Wendehammern und dem Kirchplatz zeigten wir eine OpenAir-Performance inspiriert von unserem Stück "Haus der Erinnerungen" (Premiere irgendwann 2021, wenn Covid es zulässt) und dem Stadtfest, das die Heiligenhauser*innen schmerzlich vermissten in diesem Jahr. Es war ein wunderbares Erlebnis, auf diese Weise wieder in Kontakt und Resonanz zu kommen, obwohl das Publikum in sicherer Enternung auf Balkonen und an Küchenfenstern saß. Auch unser Beitrag zum virtuellen Adventskalender des Clubs für Freizeit und Kultur Heiligenhaus hat viel Freude bereitet. 

"Magical Mysterie Tour" Foto: Almuth-Schildmann-Brack
 

 

 

Ein ganz persönliches Highlight war die  Premiere eigener Prosatexte im Rahmen der Ausstellung "Stillleben" des VHS-Fotoclubs Velbert/Heiligenhaus. 

Meine wunderbare Kollegin Svenja Johannsen und ich hatten uns dem Thema auf besondere Weise genähert und mit "Die Stille am Rande eines jeden Weges" ein Kleinod geschaffen, das allen viel Freude und ganz neue Perspektiven verschaffte. 

Bereits fertig gestellt ist unser Hörspiel "2025-Schönes Wetter - schöne Scheiße" des Ensemble SpielArt der Musik- und Kunstschule, Velbert. Jetzt kommt noch der Feinschliff und dann wird es 2021 veröffentlicht. 

Alles andere steht in den Sternen... aber was immer geht: kreative Verbindungen, Worte die echte Brücken schlagen, Gedanken, die auf die Sprünge helfen, das Gefühl, nicht alleine zu sein in dieser seltsamen Welt... wir bleiben dran. Irgendwas geht immer. Versprochen.

"Die Stille am Rande eines jeden Weges" Foto: Ingrid Johannsen






 

 

Freitag, 4. Oktober 2019

ANGST UND BANGE! JUHU!

Foto: Walburga Lambrecht
So habe ich mein neues Projekt für den Kulturrucksack in Heiligenhaus genannt. 
Wissen Sie noch, wie es war, sich in furchtsame Situationen zu begeben? Unbewacht von Erwachsenen, die sich immer sofort die schrecklichsten Folgen ausmalen? 
Ich weiß noch sehr genau, wie überdimensional groß ich mich als 10jährige fühlte, als ich gemeinsam mit meinen Freunden auf das Dach unserer Turnhalle geklettert bin. Der Weg dahin war wirklich zum Fürchten. Aber oben... unbezahlbar. Ich bekam natürlich einen riesengroßen Ärger zu Hause. Aber es war ein unvergessliches Erlebnis, das mich hat wachsen lassen. 
Da Theater der Ort ist, an dem man wachsen kann, ohne in wirkliche Gefahr zu geraten oder Ärger zu bekommen, habe ich mir für die Herbstferien das Projekt "Angst und Bange! Juhu!" ausgedacht. Ich  hoffe, es melden sich viele Kinder an. Vielleicht kennen Sie ja jemanden:


Theaterprojekt für alle zwischen 10 und 14 Jahren
In den Herbstferien: 14.10.-18.10.2019


Alle lieben die mutige Ronja Räubertochter, die auszieht, um zu lernen, wovor sie sich hüten soll, die frei im Wald lebt, ihre eigenen Entscheidungen trifft, auch wenn das manchmal gefährlich wird.


Und in der Wirklichkeit? Müsste Ronja einen Helm tragen? Würde ihr Vater ihr ein Smartphone mitgeben, damit er sie immer und überall finden kann?
Dabei macht es doch auch Spaß, sich zu fürchten, oder? Und es macht stark und frei, wenn man seine Ängste überwunden hat. Manchmal braucht man dabei Hilfe von Freunden, manchmal sogar von den Eltern. Aber immer wird man ein Stück größer.
In den Herbstferien machen wir uns auf, das Fürchten zu lernen.
Wir erfinden gemeinsam spannende Geschichten und spielen sie auf der Bühne.
Wir werden dabei ganz frei sein: Alles, was Angst macht, dürfen wir ausprobieren. Abenteuer und Alltag, Verbotenes und Verborgenes. Wir werden mutig und stark spielen und uns bestimmt auch manchmal furchtbar fürchten.
Und davon etwas am Ende auf der Bühne zu zeigen, braucht Mut und macht jede Menge Spaß. 
Anmeldung unter  https://www.kulturrucksack.nrw.de/veranstaltung/da-wird-einem-ja-angst-und-bange-theaterworkshop-mit-ute-kranz




Montag, 25. März 2019

UND? WIE WIRST DU ES TUN?

Fotomontage: Klaudia Anosike für "undendlich Reisen" 2010
Es ist mal wieder soweit - es Zeit für Projektanträge. Es ist schön, dass der Staat sich überlegt hat, dass auch freiberuflich arbeitende Menschen und kleine Vereine oder Institutionen gute Ideen für Kultur und Bildung haben. Es ist schön, dass über Projektgelder ganz neue Ideen und Gedanken eine Chance haben, lebendige Kulturarbeit zu werden. Man kann sicherlich darüber streiten, warum bewährte Arbeit, Erfahrungen und so weiter nicht so gefördert werden wie Innovationen, aber immerhin haben wir eine Arbeitsgrundlage.
Was mir allerdings immer wieder begegnet: eine Idee und viel Berufserfahrung reichen oft nicht. "Und wie genau soll das Konzept umgesetzt werden?" "Und wie soll erreicht werden,  dass die Kinder und Jugendlichen am Ende genau das denken, was der Geldgeber oder der Kooperationspartner sich aufgrund des Konzepts erhofft?"
Dabei wird außer Acht gelassen, dass die kulturelle Arbeit nicht nur Kreativität voraussetzt, sondern auch fördern soll. Und wie soll das geschehen, wenn ich den Weg und das Ziel vorgebe? Das wäre, wie den Sternenhimmel erforschen zu wollen, aber schon vorher festlegt zu haben, wie die Galaxien auszusehen haben.
Natürlich brauche ich Methoden für meine "Forschung". Das liegt ja auf der Hand. Ein Teleskop ist ja auch hilfreich bei der Erforschung des Alls. Doch ab einem bestimmten Zeitpunkt muss ich mich frei machen von meinen Vorstellungen, um den Blick für das Andere zu haben. Und wenn ich das entdeckt habe, werde ich tatsächlich ganz neue Wege finden müssen, um daraus eine Geschichte zu schreiben oder auch nur einen Schritt weiter gehen zu können. In Jules Vernes "Reise zum Mond" laufen alle Astronauten mit Frack und Zylinder herum. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Mode der damaligen Zeit für den Mond gänzlich unpassend sein könnte.
Also, was soll ich meinen Auftraggebern sagen, wenn ich mit meinen kleinen "Forschern" die Welt neu entdecken will, wie ich es mache?! Will ich meine Arbeit ernst nehmen, muss ich antworten: "ich weiß es noch nicht. Aber ich halte stets die Augen auf, um keinen einzigen Weg zu übersehen."


Mittwoch, 6. März 2019

WEISST DU NOCH?!


Foto: Theater Toll-Wut e.V.
Merkwürdig, wie manchmal Themen sich durch eine Zeit ziehen. Kennen Sie das auch? Auf einmal poppen in ganz unterschiedlichen Gruppen ähnliche Themen auf. Im Moment scheint sich alles um das Erinnern zu drehen. Sogar während ich das jetzt hier schreibe, beschert mir der Zufallsgenerator eines Musikstreamingdienstes "ne me quites pas" - "Verlass mich nicht und was war vergiss. Wenn Du kannst, vergiss" vom großen Jaques Brel, gesungen von der wunderbar heutigen Sophie Hunger.


Vergessen! Sich erinnern!


Meine Produktionsleitung des jungen börsenensembles aus Wuppertal hat mir kürzlich das Archiv übertragen und da fängt man an zu stöbern. Eine Kollegin kramt die alten Musical-CDs der Musik- und Kunstschule, Velbert heraus und fährt damit laut klingend, beseelt durch unsere Stadt. Für eine Videoprojektion im neuen Theaterstück "Krieger und Kaiser" muss ich alte Kontakte durchforsten, frühere Kolleg*innen, ehemalige Schüler*innen, die inzwischen Kolleg*innen sind.
Foto: Drama Hilinci (Probe)
Vergessen! Sich erinnern!
Und gestern... Da saßen wir zusammen, das Ensemble Drama Hilinci aus Heiligenhaus und ich, und dachten über die Zukunft nach. Was wollen wir spielen? Was sollen wir auf die Bühne bringen?! An was sollen sich die Leute später noch erinnern?! Ja, und da kommt das Thema auf: "Erinnerungen". An was erinnert man sich?! Warum wählt das Gedächtnis ausgerechnet diese Situation aus, die im Gedächtnis bleibt? Warum werden manche Situationen gelöscht, so dass zwei Menschen die selbe Situation ganz unterschiedlich im Kopf behalten können?
Vergessen! Sich erinnern!
Spannender Stoff für das Theater, das doch eine ganz und gar flüchtige Kunst ist. Nur der Tanz ist noch schneller im Dunst des Vergessens verschwunden. 
Und wenn ich an meine früheren Produktionen denke... Was bleibt da? 
Als Theaterpädagogin erschafft man ja nicht nur Erlebnisse, die im Gedächtnis der Zuschauer*innen bleiben. Die Akteure auf der Bühne erfahren ein Theaterprojekt nochmal ganz anders. Für manche bleibt ein Stück als Abenteuer hängen, für manche als entscheidender Entwicklungsschritt, so mancher wird aber auch das Ganze als Event unter Vielen abhaken: "Wann war noch mal das mit dem Musical? - ja, das war cool. Wie hieß das noch?" 
Eine Zuschauerin hat mal an den Regisseur und Intendanten Roberto Ciulli (Theater an der Ruhr, Mülheim) geschrieben, sie hätte nach dem Besuch eines seiner Theaterstücke ihr Leben geändert. Sie wird dieses Stück sicher nie vergessen. 
Aber sicher ist so ein Erlebnis die Ausnahme, oder?! Gerne würde ich wissen, was meine früheren Schüler*innen noch von den Stücken wissen. Zu gerne würde ich erfahren, ob sich irgendjemand der Zuschauer*innen noch an eines meiner Stücke erinnert. Und wenn ja, an was? Was wird vergessen? An was wird sich erinnert? 
Und ist das alles wirklich wichtig? Ich meine, Theater lebt für den Moment. Theaterpädagogik wirkt, aber wie genau, werden wir bestimmt nicht erfahren. Denn ein Projekt ist immer eingebettet in den Fluss der Zeit, der den Alltag, die Abenteuer, die Träume und Wünsche aller mit sich führt. Und so ist jedes Stück ein Tropfen im Ozean der Hoffnung... so dass manches vergessen wird... so dass manches in Erinnerung bleibt. 

Donnerstag, 21. Februar 2019

WAS KANN THEATER EIGENTLICH FÜR ERWACHSENE TUN?


Foto: Anna Schwartz
"Theaterpädagogin? Ach, das ist ja so wichtig für Kinder und Jugendliche. Die müssen sich ja ausprobieren und entwickeln können. Ach? Du arbeitest auch mit Erwachsenen - sicher mit Senioren, oder? Ja, das ist ja so wichtig, dass die geistig noch aktiv bleiben. Ach? Wie Du arbeitest mit "ganz normalen" Erwachsenen? Äh... ja, äh... irgendein Hobby braucht man ja."
Solche Dialoge kennen sicher viele Kolleg*innen.
Ich frage mich immer wieder, warum Erwachsene eigentlich nicht vom Theater spielen, vom Theater machen, profitieren sollten.
Dabei erlebe ich immer wieder, wie erfüllend und bereichernd das Theater sein kann, ganz gleich, mit wem ich gerade arbeite. 
Mit meinem Erwachsenenkurs "Drama Hilinici" im Club in Heilgenhaus arbeite ich gerade am Thema "Physical Theatre". Wir haben eine aufreibende und tolle Premiere mit einem anspruchsvollen Sprechtheaterstück hinter uns gebracht, neue Ensemblemitglieder gewonnen und wollen nun neue Wege ausprobieren. Am Dienstag hatten wir eine ganz berührende Probe. Grundlage waren Gedichte von Ingeborg Bachmann und Rainer Maria Rilke. Die Darsteller*innen suchten Wege, diese Texte zu inszenieren, die Stimmungen zu übertragen, Bilder zu finden für die Worte der beiden Dichter*innen und ihren eigenen Empfindungen dazu.
Für alle war das Neuland. Aber mit welcher Feinfühligkeit und Intensität sich die Erwachsenen dieser neuen Erfahrung öffneten, war einfach wunderbar. 
Der große Yoshi Oida sagte  "Im großen und ganzen gibt es drei Arten von Wissen. (...) Die dritte Art Wissen wird durch intuitives Begreifen erlangt." (Oida "Die Tricks eines Schauspielers" Alexander Verlag, Berlin 2009, S. 42)
Wann haben wir in unserem Alltag schon einmal die Gelegenheit, diese Art von Wissen zu trainieren oder bewusst zu erleben? 
Das Theater öffnet jedem Menschen neue Welten. Auch die eigene, innere Vorstellungswelt wird plötzlich erkennbar, begreifbar und - so man ein Bild auf der Bühne findet- für andere darstellbar. Das ist eine Besonderheit des Theater Machens, das jenseits von Pointen setzen und Drama funktioniert. Und ich freue mich immer über die strahlenden Menschen, die als Darsteller*innen in die Probe gehen und als Entdecker*innen in ihren Alltag zurück kehren

Donnerstag, 7. Februar 2019

VOM RAUM LERNEN?

Foto: Kevin Rumpel
Als Theaterpädagogin mache ich nicht nur Theater, ich vermittle auch Theater und lehre Fähigkeiten, selbst Theater zu machen.
Ich nenne meinen Unterricht bewusst nicht Schauspielunterricht. Theater lernen ist viel mehr als eine Rolle zu spielen und auf der Bühne zu verkörpern.
Theater zu lehren, heißt sehen zu lehren und hören- auf sich, auf andere, auf die Gesellschaft, auf Literatur und Musik. Sehen lernen bedeutet, den eigenen Lebensraum wahrzunehmen. Aber auch die Verdichtung einer Situation, die in einem Raum deutlicher wird, um ein Thema auf die Bühne zu bringen, gehört zum Sehen lernen. 
Uns Theaterpädagog*innen wird oft geraten, mit ein ansprechenden Material zu arbeiten, das zum Spielen anregt. Das kann man sicherlich tun. Für Amateurschauspieler*innen ist das eine schöne Sache. Aber zu verstehen, was ein Bühnenraum bedeutet, geht weiter über das Spielerische hinaus. Leider sind in Zeiten knapper Kassen solche Gedanken nicht gern gesehen. Denn wenn ich mit meinen Darsteller*innen über den Bühnenraum rede, rege ich erst mal zur Offenheit an. Alle Ideen, Bilder, Gedanken müssen erst mal erlaubt sein. So fangen meine Schüler*innen im Laufe der Zeit an, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Sie gehen mit offenen Augen durch ihre Stadt, schauen sich Theaterstücke, Kunstwerke, Filme an. Alles dient auf einmal zu Inspiration. Und so entsteht ein Verständnis dafür, was ein Raum mit uns macht. Was macht zum Beispiel die erzwungene Nähe in einem winzigen Klassenraum mit den viel zu vielen Schüler*innen? Was macht ein kahler Raum mit einem, der sich nach Schönheit sehnt? Dann fangen wir an, am Bühnenbild zu arbeiten. Und ja, dann kommt das Budget ins Spiel. Aber selbst das kann man dann noch in den kreativen Prozess einbauen. 
Wir haben letztes Jahr an einem Stück über das Glück gearbeitet. Die beteiligten Jugendlichen kamen relativ schnell darauf, auf einem Berg aus Dingen zu spielen - als Sinnbild für die Glückssuche in einer kapitalistischen Welt des Anhäufens und Wegwerfens. So war es nur logisch, das benachbarte Gebrauchtwarenhaus zu fragen, ob wir nicht gleich dort spielen können und den Berg aus Dingen anhäufen können. Es hatte geklappt und wurde begeistert aufgenommen. 
Oft werde ich von Laien gefragt, warum man nicht einfach alles an eine Leinwand projiziert, wo wir doch heutzutage alle relativ leicht über solch technischen Hilfsmittel verfügen können. Aber die sinnliche, spielerische Erfahrung des Raumes ist für Akteure wie Zuschauer*innen von großer Bedeutung und Kraft. Wir sind eben nicht beim Film. Uns gibt es wirklich, live, zum Anfassen nahe, genauso wie den Raum. 
Und auch bei den Stücken, bei denen ich selbst, meist aus Zeitmangel, das Bühnenbild setze, lernen meine Akteure ein neues Sehen und Spüren. Ein gestalteter Bühnenraum bricht mit Sehgewohnheiten und löst etwas aus. Im besten Falle auch neue Spielimpulse. Daher ist es so wichtig, bei steigendem, finanziellen Druck, die Magie des Raumes niemals aus den Augen zu verlieren.

Mittwoch, 30. Januar 2019

2019 - WAS WOHL DIESES MAL WARTET?!


Foto: Dagmar Beilann PoesieParkour 2018
Lang, lang ist's her, dass ich hier geschrieben habe. Nicht nur die neue Datenschutzverordnung hat mich davon abgehalten.
Als ich nun meine "Vergangenen Projekte" aktualisiert habe, merkte ich erst, wie viele Projekte ich im letzten Jahr durchgeführt habe. 
Manchmal ist das Leben wie eine Zugfahrt. Man sitzt im Zug und fährt und fährt und merkt gar nicht, wie die Zeit vergangen ist. Dabei habe ich gerade im letzten Jahr angefangen, in meinen Kinderkursen Achtsamkeitsübungen einzuführen, weil mir aufgefallen ist, wie schwer es gerade den Kindern fällt, im Hier und Jetzt zu bleiben. 
Und dann schaut man zurück und fragt sich selbst: wann war ich im Hier und Jetzt?
Sicher, wenn ich mit meinen Ensembles probe und aufführe, dann leben wir alle sehr im Moment. Und so ist das Theater mit all seiner Vielfältigkeit eben auch ein vielfältiger Spiegel des Lebens. Zum einen mit dem, was wir dem Publikum erzählen. Zum anderen aber auch, mit dem wie wir miteinander arbeiten: So wird das Ringen um ein Thema zum Kampf ums Überleben und zeitgleich zum poetischen Tanz in den Wolken, die uns die Freiheit weisen. 
In diesem Sinne bin ich einfach mal gespannt, wie es 2019 weiter geht. 
Schon mal ein paar Hinweise gefällig: 
Wir spuken im Geisterhaus. Wir fragen uns nach den Rollen von Frauen und Männern. Wir suchen das Herz der Finsternis, wir schweben durch Wuppertal als Krieger und Kaiser und vieles, vieles mehr. Doch hier und jetzt, bin ich einfach mal gespannt ;-)

Donnerstag, 21. Dezember 2017

DIE WAHRE WEISHEIT LIEGT IN DANKBARKEIT FÜR DAS, WAS MAN NICHT KRIEGT

Diesen Satz schrieb kürzlich einer meiner Darsteller des Ensembles SpielArt der Musik- und Kunstschule Velbert. 
Wir arbeiten gerade an einem Stück über das Glück und jeder schreibt mit daran. 
So ist es ja auch im wahren Leben, oder? Jeder ist zwar "seines eigenen Glückes Schmied", doch auch jeder, dem ich begegne hat einen Effekt auf mein Gefühl. Und ich habe ein Effekt auf sein Gefühl. Wenn ich jemandem im Stress anpflaume, ist womöglich sein Tag gelaufen. In meiner Arbeit begegnet mir das jeden Tag. Komme ich schon gestresst in eine Situation, braucht es nicht viel, damit meine Spieler*innen auch unter Hochspannung stehen. Eine Funke - und die Lage explodiert. 
Ist das damit gemeint? Ich bin dankbar, wenn ich den Stress Anderer nicht abkriege? 
Wahrscheinlich zu einfach gedacht. Denn zu akzeptieren, dass nicht immer alles nach Wunsch läuft, dass man nicht alles haben kann, was in der Auslage uns glänzend anstrahlt, kann sehr befreiend sein. Gut, dass es nicht immer alles gibt. Gut, dass man manchmal auf das Wesentliche zurück geworfen wird. Und das sind keine Dinge. Nicht einmal der donnernde Applaus nach der gelungenen Aufführung. Sondern das Miteinander, das Zusammen sein dürfen, der Respekt und ja, die Liebe... besonders die jenseits einer Partnerschaft. Die Liebe, die in allen steckt als Potenzial. 
Und so nehme ich von meinen Schüler*innen genau das mit: Dankbarkeit, für das was man nicht kriegt und dafür die freie Sicht auf das, was wirklich da ist und das, was noch kommen kann.
Frohe Weihnachten! 

 

Dienstag, 27. Juni 2017

KINDER NACH VORNE!


Vor einer Woche hatte meine Kollegin Melody Reich im Consol Theater Gelsenkirchen Premiere mit ihrem aktuellen Stück. Ein Journalist äußerte sich in seiner begeisterten Kritik verwundert darüber, wieviel "skeptische Weltsicht" die Kinder schon haben.
Mich verwundert das gar nicht. 
In meinen Kursen bestimmen die Kinder immer mit, was in den Stück vorkommt und wie sie umgesetzt werden. Schließlich geht es mir darum, die Kinder darin zu stärken, dass sie etwas zu erzählen haben und ihnen zu zeigen, wie man das erzählen kann. 
Auch in unserem neuen Stück "Wir Wunderschrecklichen" habe ich so gearbeitet. Die fünf Kinder des Theaterkurses MiniArt der Musik- und Kunstschule, Velbert haben sich 9 Monate mit dem Thema "Geschwister" auseinander gesetzt. Dabei fanden ihre ganz persönlichen Erfahrungen Eingang in das Stück, das sehr unterhaltsam geworden ist, dem es aber an Ernsthaftigkeit nicht mangelt. Denn bei aller Flachserei unter Geschwistern, die sich manchmal in einen Kleinkrieg auswachsen kann: Geschwister sind immer bei uns - besonders dann, wenn wir uns alleine fühlen. 
Zusammenhalt in der Familie ist natürlich kein hochpolitisches Thema. Aber für die Kinder ist es das wichtigste aller Themen. 
Im Theaterkurs MiniArt haben die Kinder die Möglichkeit, tatsächlich ihre ganze Welt zu durchleuchten: egal, ob wir über Smartphones Stücke machen oder über Erwachsene, die vergessen haben, ihre echten Träume zu verwirklichen und sich in eine Scheinwelt flüchten (Dakota Pink) oder ob wir in "Rumpelstilzchen hoch drei" tatsächlich die Gier der Erwachsenen auf die Schippe nehmen:
Die Kinder sind mit Freude, Herz und großer Ernsthaftigkeit dabei.
Wir freuen uns auf unsere Premiere: 
Samstag, 01. Juli 2017 und Sonntag, 02.07.2017 jeweils um 16.00 Uhr in der Aula der Musik- und Kunstschule, Velbert, Kaiserstraße 12, Velbert-Mitte. Der Eintritt ist frei.
Danach steht der Kurs wieder offen für alle, die mit dem Theaterspiel die Welt erforschen wollen (für Kinder zwischen 9 und 14 Jahre)

Sonntag, 18. Juni 2017

LOHNT ES SICH?


Foto: Kevin Rumpel
Lohnt sich all die Arbeit? Das werde ich oft gefragt. Lohnt sich all der Aufwand und Stress? Das fragen sich mit Sicherheit immer mal wieder meine Ensembles und auf jeden Fall deren Familie und Freunde. Lohnt sich das viele Geld? Das fragen sich andauernd die Politiker auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, wenn sie kulturelle Projekte finanzieren sollen und mit Sorgenfalten auf den Etat schauen.
Nicht nur an Tagen wie heute, an denen eine großartige Premiere hinter mir liegt, sage ich:
Ja! Ja! Ja!
Wir leben in merkwürdigen Zeiten: Was lohnenswert sein soll, bestimmen wir oft nicht mehr selbst: Das entscheiden Klickzahlen, Kontostände und die Anzahl der Presseberichte. 
Wir sind aber nicht aus Zahlen gemacht. Wir leben auch nicht von Zahlen.

Wir leben - neben der Ernährung - von Liebe, von Familie und Freundschaft, von Bindungen, von Geschichten, die uns Kraft geben, von Ideen, die uns nach vorne gehen lassen, von der Hoffnung auf ein besseres Leben, von der Gewissheit, dass jemand da ist, der uns auffängt, von der Sicherheit, dass wir die Kraft haben, jemandem die Hand reichen zu können.
Foto: Kevin Rumpel
Was das mit Theater zu tun hat? 
Alles!
Denn im Theater kommen all diese Dinge zum Tragen. Nur durch sie gibt es das Theater und mit dem Theater erfahren wir genau das: Wertschätzung, Hoffnung, Kraft, Bindung, Selbsterkenntnis, Welterkenntnis.
Gestern war die Premiere von "Ich bin eine Insel". Alle haben so hart daran gearbeitet. Alle haben mit so viel Freude, Lust und Kraft eine Reise unternommen, bei der jeder ein sehr hohes Risiko eingegangen ist. Und es war wunderbar. 
Jemand aus dem Publikum sagte mir danach, dass er in seinem eigenen Kopf, in seinem Leben, die Dramaturgie des Stückes wiedergefunden hat. Das Stück sei, wie eine Reise durch sein Leben gewesen mit wunderbaren Erkenntnissen für sich. Ähnliches hörte ich an diesem Abend noch oft. Was soll ich sagen: Wir haben unsere eigenen Geschichten genommen und sind dann den Spuren von Odysseus gefolgt. Homer gab uns also den Takt vor. Eine der ältesten Geschichten der Menschen berührt uns offenbar immer noch. Jeder kann es an einem solchen Abend spüren: Wir sind verbunden: miteinander und mit der ganzen Welt!
Ist ist das nicht großartig?! Ist das nicht lohnenswert?!
Ja! Und Ja!
Heute Abend spielen wir übrigens nochmal: 19.00 Uhr Deilbachsaal, Pannerstraße 12, Velbert-Langenberg.

Donnerstag, 8. Juni 2017

ICH BIN EINE INSEL 




Foto: Nadine Kranz
oder... Theater als Reise. Aber nicht einfach nur eine Reise an irgendwelche sonnenverwöhnte Strände. Nein, es geht um die gefährlichste, schönste, wundersamste, beängstigendste, beglückenste Reise, die man tun kann: Die Reise zum Ich. Und zu jedem "Ich" gehört auch ein "Wir". Und zu jedem "Wir" gehört auch ein "Die". Darum geht es: im neuen Stück "Ich bin eine Insel" des Ensemble SpielArt der Musik- und Kunstschule, Velbert. Aber auch beim Theater machen an sich geht es darum.

Da lacht man, da weint man, da zürnt man und flieht man. Miteinander, alleine, gegeneinander. Theater mit vollem Risiko. Das gefällt nicht jedem. Und so manch einer fragt sich mehr als nur einmal "Warum tue ich mir das an?" 
Weil das das lebendige Leben ist. Wir proben gerade, bis wir nicht mehr können. Wir gehen an die Extreme. Wir haben kurzfristig noch Sachen geändert, weil wir den Eindruck hatten, uns zu verirren. Vielleicht wird uns das gerade zum Verhängnis. Vielleicht finden wir aber auch das Glück. Wir fahren volles Risiko. 


Foto: Nadine Kranz

Und mit uns die Zuschauer am Samstag, 17.6. und am Sonntag, 18.6.2017 jeweils um 19.00 Uhr im Deilbachsaal, Pannerstr. 12, Velbert-Langenberg. 
Das wird eine wilde Fahrt. Durch Strudel und heftige Winde. Wie einst Odysseus suchen wir das, was wir zu Hause nennen. Das innere zu Hause. Das sieht für jeden anders aus. Genau wie das Theater für jeden anders aussieht. Kunst ist, ein Risiko eingehen. In der heutigen Zeit, wo wir das fast verlernt haben, ist alleine das schon gefährlich. Aber wir sind mutig. Wir werden ankommen. Wir wissen nur noch nicht, wo. Ich hoffe, es begleiten uns Viele auf der Reise. Der Eintritt ist frei.
und manchmal lachen wir auch über das Leben. Trauen Sie sich?! Wir setzen auf den Wind....


Foto: Nadine Kranz









Danke an die Stadtwerke Velbert für die Unterstützung bei den Fotos.

Dienstag, 16. Mai 2017

NACH DER PREMIERE IST VOR DER PREMIERE


Geschafft! Dieses Glücksgefühl, wenn alles gut gelaufen ist. Wenn das Publikum beseelt und mit reichlich Gedankenanstößen beschenkt den Saal verlässt. Das belohnt für so manche schlaflose Nacht.
Doch für Theaterpädagogen geht es dann gleich weiter. Denn die Produktionszeiträume sind eben in der Regel ein Schuljahr und so ist der Sommer voller schlafloser Nächte und voller Glücksgefühle.
Auch bei mir geht es gleich weiter. 
Soeben habe ich die allerletzten Sätze des Stückes "Ich bin eine Insel" in den Computer getippt. Freitag probieren wir das aus. Und dann heißt es Proben, Feilen, Verwerfen, Erschaffen. Schaffen bis zum Tag der Premiere am Samstag, 17. Juni 2017. Was für ein Glück, dass das SpielArt-Ensemble der Musik- und Kunstschule, Velbert so motiviert mit viel Elan bei der Arbeit ist. Das ist der Vorteil, wenn alle im Ensemble mitbestimmen dürfen, wohin die Reise geht: Alle sind mit Feuereifer dabei, selbst wenn manche Prozesse etwas länger dauern. Das machen die jungen Leute zwischen 14 und 24 Jahren locker wieder wett. 
Und so freue ich mich auf ein sehr spannendes Stück: ein Stück vom Ich-werden, vom Wir-Fühlen und vom Die-Mitdenken.... "Ich bin eine Insel".... mehr folgt bald.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Foto: Anna Schwartz

ENDLICH PREMIERE!

Es heißt, die Endlichkeit allen Seins macht uns erst zu Kreativen, Liebenden, Arbeitenden.
Viele empfinden, die unerbittliche Vergänglichkeit als die größte aller Unfreiheiten. 
In dem Stück "Die Freiheit ist ein Einhorn" sind wir vom jungen börsenensemble Wuppertal und dem Seniorentheater Rauhreif dieser Frage auf den Grund gegangen. 
und dazu gehörte schnell viel mehr. Wir fragten uns, macht Liebe frei oder unfrei. Und erst die Zeit: ist sie nicht die ultimative Bremserin oder an allem, was wichtig wäre, Vorbeihetzerin?!
In unserem Stück kann man, Donnerstag und Freitag (04./05 Mai, jeweils um 19.30 Uhr) sehen, wie sich die 17 Figuren über Freie Liebe, FreiZeit und Freitod Gedanken machen. 
Ist Arbeit ein Weg zur Freiheit oder ein Gefängnis?
Ist die große Auswahl an Lebensentwürfen wirklich Freiheit oder doch eher wieder ein Zwang? Braucht man Geld zum Frei sein? Oder muss man den Freitod wählen, wenn das Geld aufgebraucht ist? Und überhaupt: Was würde jetzt die Liebe dazu sagen? Und zwischen all dem laufen unsere Sehnsüchte vor uns her und die Angst steckt uns im Nacken.
Foto: Anna Schwartz
Liebe, Tod und Zeit laden zum Bingo ein. Ein bisschen Glück gehört schon dazu, um frei zu sein und vielleicht jemand, der einem Mut macht, den Weg der Freiheit zu gehen, auch wenn der andere so schön glatt asphaltiert ist. Die Wahrheit liegt am Ende zwischen den Worten, mit denen wir uns umgeben. Wenn wir nur richtig zuhören würden, könnten wir nicht nur die Zeit davon laufen hören, sondern vielleicht das Hufgetrappel eines Einhorns. Oder ist es doch ein anderer Mensch?!
"Die Freiheit ist ein Einhorn" Premiere: Donnerstag, 04. Mai und Freitag, 05.05. jeweils um 19.30 Uhr in der börse Wuppertal: Kontakt und Kartenvorverkauf findet man hier.

Dienstag, 25. April 2017

DIE ZEIT RENNT


Foto: Anna Schwartz
Der Countdown läuft. In nur anderthalb Wochen feiert das neue Stück des jungen börsenensembles in der börse in Wuppertal Premiere. Und es ist noch so unendlich viel zu tun. Warum rennt nur immer die Zeit so?! Dabei haben wir die Zeit doch in Persona auf der Bühne. Sie ist eine der wunderbaren Darsteller*innen des Theater Rauhreifs, mit denen wir ein Jahr lang kooperieren durften. 
Auch die Liebe läuft durch unsere Szenen, verteilt Herzen und haut dem ein oder anderen herzlosen Stoffel auch mal eine Rose über die Rübe. 
"Die Freiheit ist ein Einhorn" .... wir suchen sie trotzdem. Und manchmal sind genau die Instanzen, die uns Freiheit verheißen, diejenigen die uns auch das Leben schwer machen.
Die Liebe zu Geschichten hat unser Stück so gefüllt mit Themen, mit Menschen, die uns aufregen und berühren. Und sie macht, dass wir all das überhaupt auf uns nehmen... Denn wer Theater nicht liebt, stellt sich nicht am 1.5. in die dunkle Börse zum Proben, während alle anderen den hoffentlich sonnigen Mai begrüßen. Die Zeit verführt und treibt. Ich habe als Theaterpädagogin immer noch nicht verstanden, wie man seinen Spielern erklärt, dass 4 Monate schnell rum sind und man schon im Januar Text auswendig lernen muss. Aber ich weiß, dass es allen so geht. Selbst im Profi-Theater habe ich oft den Seufzer gehört: "Warum wird man nie rechtzeitig fertig". 
Vielleicht ist es ja auch das, was Theater so besonders macht: die Nähe zu jedem Menschen, mit all seinen Schwächen und Hoffnungen. Die Magie, wenn aus der Zukunftsangst plötzlich die Gewissheit erwächst, dass dieser eine Moment zählt. 
Und da wären wir wieder bei unserem Stück "Die Freiheit ist ein Einhorn".
Denn unser Stück ist voller Leben, voller Ängste, voller Hoffnungen und vor allem voller Liebe. Zeit und Tod assistieren uns dann gerne, damit wir das auch mitbekommen können. 
Apropos Zeit: Die Premiere ist am Donnerstag, 04.05.2017 und die zweite Aufführung am Freitag, 05.05.2017 jeweils um 19.30 Uhr.
Es wird Zeit, Karten vorzubestellen: unter: Telefon: 0202 / 243 22 -0 oder bei Wuppertal-live.de

Mittwoch, 5. April 2017

ZEIT FÜR KINDER

Minestrone Kids
Mit Kindern Theater zu machen, ist immer wieder schön. Schön kreativ, schön lustig, schön spannend und schön überraschend. Da glaubt man, ein tolles Programm für den Unterricht vorbereitet zu haben, bei dem die Kinder Schauspielerei lernen, ihre Geschichte weiter erfinden können und die fertigen Szenen probieren können und dann kommt es ganz anders: Die Schule war so aufregend, dass der Redefluss nicht aufhört zu sprudeln, die Sonne kribbelt auch im Raum noch so sehr, dass man sich gar nicht konzentrieren kann und vieles Unvorhergesehenes mehr. Deshalb habe ich immer nicht nur einen Koffer voller Methoden dabei, sondern auch einen Koffer voller Material. 
Und so kann es sein, dass alle Kinder mit Begeisterung ihre Figuren malen (und dabei ganz nebenher erste Ideen für ihre Kostüme entwickeln) oder Requisiten basteln oder sich einen Tanz ausdenken, den wir spontan ins Stück einbauen. Alles, was dafür wichtig ist, ist Zeit. Und ich bin immer froh, wenn Projekte so angelegt sind, dass wir uns die Zeit nehmen können.  
Die Ergebnisse kann man dann am 27. Juni 2017 bei den Kindern des Theater Minestrone in Wülfrath und am 06./07. Juli 2017 in der Wilhelm-Ophüls-Schule, Velbert-Langenberg sehen. (gefördert durch das Landesprogramm "Kultur und Schule")

Mittwoch, 22. März 2017

THEATER SPIELEN OHNE LIMITS

 So lautet das Motto des Theaterkurses für Erwachsene im Club in Heiligenhaus. Wie oft habe ich mir schon für mich selbst gewünscht, dass es keine Grenzen gibt. Für die Spieler ist das auch der Fall. Auf der Bühne können wir alles sein: eine edle Dame mit unedlen Absichten, Schiffbrüchige mit schlimmen Hintergedanken, Gestrandete in der Großstadt oder Kunden eines Supermarktes, in dem man auch Ideen, Zuversicht und Würde kaufen oder verkaufen kann.... Als Regisseurin steht man manchmal staunend davor, was an Kreativität und Vielfalt in einer Gruppe stecken. Und man möchte am Liebsten überall gleichzeitig sein, Tipps geben, Entwicklungen beobachten und fördern. Leider kann ich nicht überall gleichzeitig sein. Wie gut, dass die Gruppe, bestehend aus erfahrenen und neuen Spieler*innen, sich auch mal selbst helfen kann. Und das kann auch sehr schön sein. Es befeuert nicht nur das Miteinander, sondern auch das Selbstbewusstsein. Und immer, wenn ich mit meinem Perfektionismus hadere, denke ich viele Jahre zurück an den Satz von Janna vom jungen börsenensemble in Wuppertal: "Ach Ute, geh doch einfach mal einen Kaffee trinken und lass uns auch mal eigene Erfahrungen machen." Und schon erinnere ich mich an meine eigene Zeit auf der Bühne und weiß, dass sie Recht hatte:
Wie schön kann dieses Hineinwühlen in eine Figur sein, das gemeinsame Entdecken... und oft reicht auch ein Tipp, der Dreh in eine Richtung... der Rest kommt dann fast von selbst und mit ihm die Freude, die man beim Spielen entwickelt. Da braucht die Regisseurin gar keine fünf Köpfe und zehn Arme. Die Gruppe ist da.
Nach den Osterferien kann man sich im Club wieder anmelden, um auch dabei zu sein. Wir haben noch ein paar Plätze frei auf unserer Entdeckungsreise über alle Grenzen hinaus.